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Schlagzeug lernen7 Min. LesezeitAktualisiert: 9. Oktober 2026

Schlagzeug üben: Plan, Methoden und 20 Übungen

Wer gut übt, kommt mit weniger Zeit weiter. Hier findest du fertige Übepläne, die Methoden, die am Schlagzeug wirklich helfen, und 20 Übungen mit Starttempo.

Schlagzeug üben heißt nicht, möglichst lange auf das Set einzuschlagen. Entscheidend ist, was in der Übezeit passiert: ein klares Ziel, ein langsames Tempo, ein Metronom und ein Ende, bevor die Konzentration nachlässt. Mit 20 Minuten an fünf Tagen kommst du weiter als mit zwei Stunden am Sonntag.

Ein Übeplan für 20, 30 oder 45 Minuten

Jede Übeeinheit hat vier Teile. Die Reihenfolge ist wichtig: Erst die Hände aufwärmen, dann konzentrierte Technik, dann Grooves, zum Schluss Musik und Spaß.

Teil20 Minuten30 Minuten45 Minuten
Aufwärmen: lockere Single Strokes, Handgelenke kreisen3 Min.5 Min.5 Min.
Technik und Rudiments mit Metronom7 Min.10 Min.15 Min.
Grooves und Fills5 Min.8 Min.12 Min.
Songs mitspielen, frei spielen5 Min.7 Min.13 Min.

Wähle pro Einheit nur ein oder zwei Technik-Themen, etwa „Double Stroke Roll“ und „Bassdrum auf dem +“. Wer alles gleichzeitig übt, macht überall nur kleine Fortschritte. Die Themen wechselst du, wenn sie sitzen – meist nach ein bis drei Wochen.

Langsam üben mit Metronom

Die wichtigste Regel beim Schlagzeug üben: so langsam, dass es fehlerfrei und locker klappt. Dein Gehirn speichert die Bewegung so, wie du sie wiederholst. Wer eine Übung zehnmal schlampig spielt, übt Schlampigkeit.

  1. Finde das Tempo, in dem du die Übung fünfmal hintereinander sauber spielst. Das ist dein Starttempo.
  2. Spiel zwei, drei Minuten in diesem Tempo.
  3. Steigere in kleinen Schritten von etwa 4 BPM. Der Tempo-Trainer im Online-Metronom macht das automatisch.
  4. Wird es unsauber oder verkrampft, gehst du 10 BPM zurück.
  5. Notier das höchste saubere Tempo im Übe-Tagebuch.

Typischer Fehler: Das Metronom ausschalten, sobald es unbequem wird. Genau dann zeigt es dir, wo du eilst oder schleppst. Für Rudiments übernimmt der Rudiment-Trainer Tempo und Steigerung.

Schwere Stellen in kleine Stücke zerlegen

Ein Fill oder Groove klappt nicht? Dann zerleg ihn. Diese Methode heißt in der Lernforschung Chunking: Du übst kleine Einheiten, bis sie automatisch laufen, und setzt sie dann zusammen.

  • Nach Zählzeiten: Übe nur die Zählzeiten 1 und 2, dann 3 und 4, dann alles.
  • Nach Stimmen: erst nur die Hände, dann Hände plus Bassdrum, zuletzt die Hi-Hat mit dem Fuß.
  • Mit Übergang: Übe immer den Schritt in den nächsten Teil mit, also den letzten Schlag des Fills plus die Eins danach. Genau an dieser Naht hakt es am häufigsten.

Ein Stück sitzt, wenn du es dreimal hintereinander ohne Nachdenken spielst. Erst dann kommt das nächste dazu.

Lieber täglich kurz als selten lang

Bewegungen festigen sich zwischen den Übeeinheiten, vor allem im Schlaf. Deshalb bringt verteiltes Üben mehr als ein langer Marathon. Fünfmal 20 Minuten pro Woche sind wirkungsvoller als einmal 100 Minuten.

Das gilt auch innerhalb einer Einheit: Nach etwa 25 Minuten konzentrierter Arbeit lässt die Aufmerksamkeit nach. Mach dann eine kurze Pause von fünf Minuten – aufstehen, Wasser trinken, Hände ausschütteln. Diese Einteilung in feste Arbeits- und Pausenblöcke ist als Pomodoro-Methode bekannt und passt gut zum Schlagzeug.

Auch Wiederholen in Abständen hilft: Nimm alte Übungen nach ein paar Tagen und nach ein paar Wochen wieder auf. Was dann noch sitzt, ist wirklich gelernt. Was nicht sitzt, kommt zurück in den Plan.

Üben mit dem Übungspad

Ein Übungspad ist das wichtigste Werkzeug für Technik. Es ist leise, passt auf jeden Tisch und zeigt gnadenlos, ob beide Hände gleich klingen. Rudiments, Akzente und Stockkontrolle übst du am besten hier – das Set brauchst du für Grooves, Fills und die Füße.

Stell das Pad auf Höhe der Snare, also etwa eine Handbreit über den Oberschenkeln, und sitz so wie am Schlagzeug. Wer im Stehen oder mit dem Pad auf dem Schoß übt, gewöhnt sich eine andere Haltung an. Zehn Minuten Pad am Tag, etwa vor dem Fernseher, machen nach einigen Wochen einen hörbaren Unterschied.

Aufnehmen und anhören

Beim Spielen hörst du dich anders, als du klingst. Nimm dich deshalb einmal pro Woche mit dem Handy auf, am besten mit Metronom. Beim Anhören achtest du auf drei Dinge:

  • Timing: Fällt die Snare genau auf den Klick, oder kommt sie zu früh?
  • Gleichmäßigkeit: Klingen beide Hände gleich laut? Sind die Hi-Hat-Achtel gleichmäßig?
  • Haltung: Im Video siehst du hochgezogene Schultern, verkrampfte Hände und einen schiefen Rücken.

Hör dir alte Aufnahmen nach einigen Wochen wieder an. Den eigenen Fortschritt zu hören, motiviert mehr als jedes Lob.

Ziele und Übe-Tagebuch

Ein gutes Übeziel ist messbar und kurzfristig: „Double Stroke Roll sauber bei 90 BPM bis Ende des Monats“ statt „schneller werden“. Setz dir ein Ziel für die nächsten vier Wochen und ein großes für das Jahr, zum Beispiel einen bestimmten Song.

Im Übe-Tagebuch notierst du nach jeder Einheit in zwei Minuten: Datum, Übungen, sauberes Höchsttempo, was schwer war. Nach ein paar Wochen siehst du schwarz auf weiß, dass du besser wirst – auch an Tagen, an denen es sich nicht so anfühlt.

Tipp: Schreib am Ende jeder Einheit auf, womit du beim nächsten Mal anfängst. Dann verlierst du keine Zeit mit der Frage, was du heute üben sollst.

Motivation: dranbleiben, wenn es zäh wird

Fast jeder erlebt Phasen, in denen es nicht vorangeht. Das ist normal und meistens ein Zeichen, dass sich gerade etwas festigt. Was hilft:

  • Feste Zeiten: Üben zur gleichen Tageszeit wird zur Gewohnheit, wie Zähneputzen.
  • Lieblingssongs: Jede Einheit endet mit Musik, die dir Spaß macht.
  • Mit anderen spielen: Unterricht, eine Anfängerband oder Freunde mit Gitarre geben dir einen Grund, vorbereitet zu sein.
  • Kleine Erfolge sichtbar machen: Tempo-Rekorde im Tagebuch, gelernte Songs auf einer Liste.

Und an schlechten Tagen gilt: Fünf Minuten sind besser als nichts. Oft wird daraus von selbst eine halbe Stunde.

Lerntypen: was davon stimmt

Die Einteilung in feste Lerntypen – „ich lerne nur durch Hören“ oder „nur durch Sehen“ – ist wissenschaftlich nicht belegt. Menschen lernen nicht besser, wenn der Unterricht zu einem angeblichen Typ passt.

Richtig ist aber: Verschiedene Zugänge zu kombinieren, hilft fast allen. Am Schlagzeug heißt das: einen Groove anhören (hören), die Noten oder ein Video ansehen (sehen) und ihn langsam spielen und spüren (fühlen). Auch Erklären hilft: Wer einen Groove einem anderen in eigenen Worten erklären kann, hat ihn wirklich verstanden. Und sich eine Übung vor dem Spielen innerlich vorzustellen, ist eine gute Vorbereitung – ersetzt aber nicht das Spielen selbst.

Pausen und Gesundheit

  • Gehörschutz: Ein akustisches Schlagzeug ist so laut, dass es auf Dauer das Gehör schädigt. Trag bei jedem Spielen am akustischen Set Gehörschutz. Hörschäden lassen sich nicht rückgängig machen.
  • Handgelenke und Unterarme: Schmerzen sind ein Warnsignal, kein Trainingseffekt. Meist ist der Griff zu fest oder das Tempo zu hoch. Hör auf, lockere die Hände und spiel langsamer weiter oder am nächsten Tag.
  • Rücken: Sitzhöhe prüfen und aufrecht sitzen. Rückenschmerzen kommen oft von einem zu tiefen Hocker.
  • Aufwärmen: Starte nie direkt mit schnellen Übungen, sondern mit ein paar Minuten lockerer Schläge im langsamen Tempo.

Halten Schmerzen über mehrere Tage an, lass sie ärztlich abklären, bevor du weiterübst.

20 Schlagzeug-Übungen für Anfänger

Die Übungen sind grob nach Schwierigkeit sortiert. Das Starttempo ist ein Vorschlag – geh tiefer, wenn es nicht sauber klingt. Jede Übung sitzt, wenn du sie zwei Minuten am Stück locker im Zieltempo spielst.

Hände (Übungspad oder Snare)

  1. Viertel im Wechsel: R L R L auf jeden Klick, ab 60 BPM. Ziel: beide Hände gleich laut.
  2. Achtel im Wechsel: zwei Schläge pro Klick, ab 60 BPM, gezählt „1 + 2 +“. Ziel 100 BPM.
  3. Sechzehntel: vier Schläge pro Klick, ab 50 BPM, gezählt „1 e + a“. Ziel 80 BPM.
  4. Single Stroke Roll: R L R L gleichmäßig, ab 60 BPM im Trainer.
  5. Double Stroke Roll: R R L L, ab 50 BPM. Der zweite Schlag soll so laut sein wie der erste. Mehr dazu unter Trommelwirbel.
  6. Single Paradiddle: R L R R L R L L, ab 50 BPM, Akzent auf dem ersten Schlag jeder Gruppe.
  7. Akzente wandern: Achtel im Wechsel, Akzent erst auf jeder Eins, dann auf jedem „+“. Ab 60 BPM; die leisen Schläge bleiben wirklich leise.
  8. Eine Hand allein: eine Minute nur rechts, eine Minute nur links, Achtel bei 70 BPM. Die schwächere Hand bekommt die doppelte Zeit.
Single Paradiddle (PAS 16)R = rechts · L = links · klein = Vorschlag · ▲ = Akzent
  1. R
  2. L
  3. R
  4. R
  5. L
  6. R
  7. L
  8. L
Im Trainer üben

Füße

  1. Bassdrum-Viertel: nur der rechte Fuß auf jeden Klick, ab 60 BPM. Ziel: gleichmäßiger Klang, der Schlägel prallt frei ab.
  2. Hi-Hat-Fuß: linker Fuß tritt die Hi-Hat auf 2 und 4, ab 60 BPM. Dazu zählst du laut.
  3. Beide Füße: Bassdrum auf 1 und 3, Hi-Hat-Fuß auf 2 und 4, ab 60 BPM.

Grooves

  1. Rockbeat: Hi-Hat-Achtel, Snare auf 2 und 4, Bassdrum auf 1 und 3. Ab 60 BPM, Ziel 100 BPM.
  2. Rockbeat mit Bassdrum auf „3 +“: wie oben, plus ein Bassdrum-Schlag auf dem „+“ nach der 3. Ab 60 BPM.
  3. Viertel auf der Hi-Hat: Rockbeat mit nur vier Hi-Hat-Schlägen pro Takt. Ab 70 BPM; klingt ruhiger und ist gut für Balladen.
  4. Ride statt Hi-Hat: derselbe Beat auf dem Ride-Becken. Ab 70 BPM; trainiert die Orientierung am Set.
  5. Sechzehntel-Hi-Hat mit einer Hand: Rockbeat mit Sechzehnteln auf der Hi-Hat, nur rechte Hand. Ab 50 BPM.
  6. Offene Hi-Hat: Rockbeat, auf dem „+“ nach der 4 die Hi-Hat kurz öffnen, auf der nächsten Eins schließen. Ab 60 BPM.

Fills und Timing

  1. Erstes Fill: drei Takte Rockbeat, im vierten Takt Achtel über Snare, Tom 1, Tom 2 und Standtom (je zwei Schläge), dann Crash auf der Eins. Ab 60 BPM.
  2. Fill mit Pause: wie oben, aber das Fill beginnt erst auf der 3. Trainiert den Wiedereinstieg. Ab 60 BPM.
  3. Lücken-Training: Rockbeat bei 80 BPM, das Metronom spielt zwei Takte und schweigt zwei Takte. Im Metronom einstellbar. Ziel: Nach der Stille bist du noch genau im Takt.

Grooves aus der Liste kannst du im Groove Builder nachbauen und anhören, bevor du sie spielst. Wenn diese 20 Übungen sitzen, sind die Rudiments der nächste Schritt – dort geht es mit Flams, Drags und Stroke Rolls weiter.